Agile Medienentwicklungsplanung: Das steckt dahinter, das ist zu beachten!

LB0206 - Flex Model

Agile Medienentwicklungsplanung: Das steckt dahinter, das ist zu beachten!

Corona hat es deutlich an den Tag gebracht: Die Digitalisierung der Schulen ist in Deutschland längst nicht so weit wie in vielen anderen Ländern. Der Grund dafür ist der gleiche, warum die Gelder aus dem DigitalPakt nur so zögerlich abgerufen werden: Der Arbeits- und Zeitaufwand für Schule und Schulträger ist sehr groß und das System recht behäbig.  Dieses System sieht auch für 2022 vor, dass eine Schule, die neue digitale Technik anschaffen möchte, zunächst ein Medienkonzept – in einigen Bundesländern heißt es auch Medienentwicklungsplan – erstellen muss. Das Konzept geht dann an den Schulträger – meist die Kommune -, der nun einen Medienentwicklungsplan für all seine Schulen erstellt. Erst dann wird die neue Technik bestellt.

Kritiker des Systems haben ein neues Modell entwickelt: die agile Medienentwicklungsplanung. Wer nicht im Thema ist, wird nun viele Fragen habe: Was ist ein Medienkonzept? Was ein Medienentwicklungsplan und was ein agiler Medienentwicklungsplan? Und was bietet das neue Modell im Vergleich zum bestehenden System? Die Antworten liefert dieser Artikel.

 

Was ist ein Medienkonzept?

In einem Medienkonzept beschreibt die Schule, wie sie mit digitalen Medien arbeiten will und welche technische Ausstattung sie dafür benötigt. In einigen Bundesländern wird für dieses Konzept ein anderer Begriff verwendet, der Inhalt ist jedoch identisch.

Dieser Inhalt ist aber keinesfalls eine einfache Wunschliste, sondern muss mehrere Komponenten enthalten. So gilt es zunächst, eine Bestandsaufnahme zu machen. Auf der Website der gemeinnützigen Initiative „Das macht Schule“ (www.das-macht-schule.net) findet sich eine Checkliste „Medienkonzept“. Sie empfiehlt, sowohl den technischen Ist-Zustand aufzuführen – welche Anschlüsse gibt es, welche Laptops, Tablets, Smartboards und welche Software sind vorhanden – als auch die Lehrer und Schüler zu befragen, über welche Kompetenzen sie verfügen, welchen Ausstattungsbedarf sie haben und welche Fortbildungen sie sich wünschen.

Nach der Bestandsaufnahme wird es knifflig. Denn nun muss schlüssig dargelegt werden, welches Gerät oder Tool in welchem Fach zu welchem pädagogischen Zweck notwendig erscheint.

Dann wird aufgeführt, welche Fortbildungen dafür erforderlich sind. Auch welche Support- und Wartungsleistungen anfallen und ob diese intern oder extern erledigt werden, muss im Medienkonzept enthalten sein. Und nicht zuletzt muss es eine Investitionsplanung beinhalten, die die ungefähren Kosten für Hard- und Software sowie die Fortbildungen und die Administration auflistet.

Was ist ein Medienentwicklungsplan?

Nachdem eine Schule ein Medienkonzept erstellt hat, schickt sie es dem Träger der Schule. Das sind in aller Regel die Kommunen. Sie erhalten von all ihren Schulen Medienkonzepte, prüfen sie und bündeln sie dann in einem Medienentwicklungsplan. Er legt fest, welche Ausstattung der einzelnen Schule aus Verwaltungssicht zusteht und welche finanziellen Mittel dafür bewilligt werden. Handlungsweisend seien dabei aber nicht pädagogische Kriterien, sondern Fragen der Effizienzsteigerung bei der Beschaffung, der Wartung und dem Support und sowie die finanziellen Rahmenbedingungen, so der Mediendidaktiker und Schulberater Richard Heinen in seinem Beitrag „Agile Medienentwicklungsplanung“ im Handbuch Lernen mit digitalen Medien.

Was sind die Folgen des Verfahrens „erst Medienkonzept, dann Medienentwicklungsplan“?

Auf den ersten Blick erscheint es durchaus sinnvoll, dass eine Schule sich erst grundlegende Gedanken macht, welche technische Ausstattung sie benötigt, und der Träger dann erst entscheidet, welche Ausstattung er finanzieren kann und will. Das Verfahren hat jedoch einige erhebliche Nachteile:

  1. Hoher Zeitaufwand, träge Reaktion, keine Kontinuität

Ein Medienkonzepts beziehungsweise einen Medienentwicklungsplan zu erstellen, ist sehr aufwendig. Deshalb wird das Prozedere nicht jährlich, sondern meist nur alle drei oder vier Jahre durchgeführt – das macht das System träge und unflexibel.

  1. Medienkonzept verlangt schwierige Wenn-Dann-Planung

Schulleitung und Lehrkräfte müssen im Medienkonzept festhalten, wie sie die gewünschte Ausstattung im Unterricht einsetzen würden. Das gleicht dem Blick in die Kristallkugel. Denn ohne Erfahrung mit der Technik, ist völlig ungewiss, ob sie für den geplanten Einsatz wirklich geeignet ist.

  1. Das Know-how fehlt

Problematisch ist auch, dass das Medienkonzept meist lediglich von pädagogischen Fachpersonal aufgestellt wird. Das Wissen eines IT-Experten über die vielfältigen technischen Möglichkeiten, den tatsächlichen Nutzen und mögliche Schwierigkeiten fehlt.

  1. Fortbildung der Lehrer liegt in anderen Händen

Damit digitale Medien im Unterricht gut genutzt werden können, ist nicht nur die technische Ausstattung entscheidend, sondern auch die Qualifizierung der Lehrerinnen und Lehrer. Welche Fortbildungen angeboten werden, entscheiden aber nicht die Träger, sondern das Land. Im schlimmsten Fall werden deshalb die Lehrkräfte für eine Technik qualifiziert, die an ihrer Schule gar nicht vorhanden ist, und mit der Technik, die vor Ort ist, können sie nicht umgehen. Sie bleibt dann ungenutzt.

Was ist eine agile Medienentwicklungsplanung?

Das Modell „agile Medienentwicklungsplanung“ soll Schulen und Schulträger „beweglicher“ machen, so dass beispielsweise technische Neuerungen schneller für den Unterricht genutzt werden können.

Dazu sieht das Modell folgende Schritte vor:

  1. Basisausstattung

Die Schulen erhalten eine Basisausstattung ohne dafür eine zusätzliche Begründung liefern zu müssen. Dazu gehören ein breitbandiger Anschluss an das Internet, eine leistungsstarke WLAN-Infrastruktur im Schulgebäude, Präsentationstechnik in allen Klassenräumen, die möglichst mit allen vorhandenen Geräten verbunden werden kann, und eine umfassende Ausstattung von Lehrer- und Schülerschaft mit digitalen Endgeräten wie Tablet, Laptop oder PC.

Darüber hinaus sind für die Organisation und die Kommunikation leistungsstarke Cloud-Dienste erforderlich. Und nicht zuletzt gehört zur Basisausstattung auch eine Regelung, wer die Wartung und den Support übernimmt. Denn die Lehrkräfte können dies nicht leisten. Entweder stellt der Träger eine Fachkraft zur Verfügung oder es wird ein externer Dienstleister beauftragt. In jedem Fall sollte der IT-Experte auch bei der Weiterentwicklung der Basisausstattung beratend zur Seite stehen.

  1. Kontinuierlicher Dialog

Schulen und Schulträger tauschen sich kontinuierlich darüber aus, wie die digitalen Medien genutzt werden. Auf diese Weise zeigt sich, welche Qualifizierung erforderlich ist, und auf dieser Grundlage kann dann über den weiteren Ausbau der digitalen Medien diskutiert werden.

  1. Innovationsprojekte schaffen und finanzieren

Eine neue Technologie wird zunächst von einer kleinen Gruppe erprobt.

Erst wenn sich dort gezeigt hat, dass die neue Technik ein Gewinn für Lehrer und Schüler ist, kann sie an der gesamten Schule eingeführt werden. Hierzu erstellt die Schule einen Plan, wie die Technik ausgeweitet werden soll und welche Qualifizierungsmaßnahmen erforderlich sind. Aufgabe der Träger ist es, für solche Innovationsprojekte ausreichend Gelder zur Verfügung zu stellen.

  1. Netzwerk mit anderen Schulen und der Schulaufsicht bilden

Neben dem kontinuierlichen Austausch zwischen Schulträger und Schule soll auch ein regelmäßiger Austausch mit anderen Schulen des Trägers und mit der Schulaufsicht stattfinden.

 

Was sind die Vorteile der agilen Medienentwicklungsplanung?

Wenn die vier Schritte eines agilen Medienentwicklungsplans umgesetzt werden, wird ein transparenter und planbarer Entwicklungsprozess angestoßen. „Technische Ausstattung, pädagogische Entwicklung und personelle Qualifizierung werden gemeinsam getaktet, so dass Fehlinvestitionen minimiert werden können“, erklärt Richard Heinen. Die Erprobung in einem überschaubaren Team ermögliche es, eine Entscheidung für oder gegen eine neue Technik zu treffen, die auf Erfahrungen basiert und nicht ins Blaue geplant wurde.

Der kontinuierliche Austausch zwischen Schule und Schulträger ermöglich ein zügiges Handeln, wenn dies erforderlich ist. Durch den Dialog mit anderen Schulen des Trägers profitieren zudem auch andere vom Erfahrungsschatz einer Schule. Das ist eine sinnvolle Ergänzung zur Qualifikation der Lehrkräfte. Und apropos Qualifikation: Durch den Austausch mit der Schulaufsicht können die Fortbildungsmaßnahmen frühzeitig so ausgewählt werden, dass sie zur vorhandenen Technik passen.

Ist eine externe Unterstützung sinnvoll?

Egal ob ein Medienkonzept oder ein agiler Medienentwicklungsplan aufgestellt wird: Unterstützung von außen durch ein Experten-Team ist immer sinnvoll. Die Profis sehen schnell, ob das Konzept entschlackt werden muss oder die Ausgaben für Hardware, Software, Infrastruktur, Administration und Fortbildung wirklich notwendig sind und klar benannt werden. Auch beim Thema Datenschutz ist das Hinzuziehen eines Experten ratsam, da die Schulleitung auch 2022 rechtlich viele Anforderungen erfüllen muss. Und nicht zuletzt kann auch das Einbinden eines externen Moderators oder einer Moderatorin beim Austausch zwischen Schulen, Schulträger und Schulaufsicht sinnvoll sein, um frische Ideen zu geben, neue Denkmuster zu etablieren und einen behutsamen Einstieg in die neue, enge Zusammenarbeit finden

Sie möchten mehr über die Lösungen für digitale Bildung erfahren, wünschen eine persönliche Beratung oder möchten ein Testgerät für Ihre Schule oder Ihre Schulen anfordern? Das Serviceteam von ViewSonic hilft Ihnen hier gerne weiter.