Guter digitaler Unterricht: Ideen und Tipps für die Praxis

Digitaler Unterricht_Klassenzimmer

Guter digitaler Unterricht: Ideen und Tipps für die Praxis

 

Eine gute Grundausstattung wie beispielsweise eine digitale Tafel mit WLAN-Anschluss in jedem Klassenzimmer, Dienstrechner für alle Lehrkräfte und genügend Schüler-Endgeräte sind für den digital gestützten Unterricht selbstverständlich ideal. Doch auch mit weniger lassen sich die ersten Steine in Richtung digitale Bildung ins Rollen bringen. Hinzu kommt, dass an weiterführenden Schulen nach dem Motto „Bring Your Own Device“ (BYOD) fast alle Schüler*innen auf ihr eigenes Smartphone zurückgreifen können, um zum Beispiel mit Lern-Apps zu arbeiten. Wie Sie Ihre Schüler ans Arbeiten mit digitalen Medien und gleichzeitig auf den Weg zur Medienmündigkeit bringen, lesen Sie in den vier Tipps unten.

Bild-, Film- und Audiomaterial in den Lehrervortrag einzubinden, kann zwar den Unterricht anschaulicher und abwechslungsreicher machen sowie gegebenenfalls für mehr Motivation sorgen. Doch brauchen wir dazu wirklich digitale Medien? Sicherlich nicht. Schließlich sieht auch der Lehrplan keine Unterhaltungsshow vor, in der Lehrkräfte möglichst bunt und vielfältig den Lernstoff präsentieren. Auf dem Weg zur Digitalisierung der Schule geht es vielmehr darum, digitale Tools dort einzusetzen, wo andere Medien an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen, damit neue Lernumgebungen zu schaffen und die Kinder und Jugendlichen zu befähigen, sich in der digitalisierten Welt zurechtzufinden. Dazu eignen sich im Sinne einer besseren Binnendifferenzierung möglichst offene Aufgabenstellungen, die das eigenständige, entdeckende Lernen mit digitalen Medien im jeweils eigenen Tempo ermöglichen. Wichtig auch: Der Einsatz digitaler Medien erfordert zwar unter Umständen Zeit für die Fort- und Weiterbildung. Mittelfristig sollte er aber Lehrerinnen und Lehrer im Unterrichtsalltag entlasten und nicht zu Mehrarbeit führen. Lesen Sie hier, wie die Software myViewBoard von ViewSonic Lehrkräften im Unterricht hilft.

1. Machen Sie das Internet zum Lernraum!

Unterricht_Internet als Lernraum

Einfach mal kurz eine Vokabel finden oder eine Information im Internet recherchieren? Das klingt einfach, ist für Kinder und Jugendliche allerdings mit Stolpersteinen gespickt. Ihnen fehlt meist noch das Wissen über die Arbeitsweise von Suchmaschinen oder auch die Übung darin, Fakten von Fake News beziehungsweise seröse von unseriösen Quellen zu unterscheiden.

Wie funktioniert eine Suchmaschine?

Als Lehrkraft finden Sie hierzu zum Beispiel auf den Seiten Medienkompetenzrahmen NRW oder Landesbildungsserver Baden-Württemberg zahlreiche Materialien für den Unterricht. Für den Grundschulunterricht bietet unter anderem die Kindersuchmaschine „fragFINN.de“ Unterrichtsmaterial.

Das „Fakefinder“-Spiel

Spielerisch lässt sich das Thema Fake News mit dem SWR Fakefinder angehen. Die Schüler*innen können das Spiel des Südwestdeutschen Rundfunks zum Einschätzen von Nachrichten im Netz selbstständig nutzen. Zusätzlich bietet die App Lehrkräften die Möglichkeit, einen eigenen „Lernraum“ für die Klasse oder Schülergruppe anzulegen, den Schwierigkeitsgrad des Spiels zu wählen und Schüler im Anschluss zu testen. Auch weiterführende Tipps zum Faktencheck sind hier zu finden, wie beispielsweise Tools für die Bilderrückwärtssuche (https://swrfakefinder.de/#tipps).

Geprüfte Materialien für den Unterricht

Ein weiterer Tipp: Um den Umgang mit dem Internet und richtiges Verhalten bei der Nutzung von Web-Angeboten zu üben, empfehlen sich auch die im kostenlosen „Materialkompass“ für Lehrkräfte gesammelten Materialien, die der Verband der Verbraucherzentralen (VZBV) dort nach Qualitätsbewertung einstellt. So zum Beispiel das Unterrichtsmodul „Fake Shops auf der Spur“.

2. Nutzen Sie sinnvolle, sichere Apps!

Unterricht_Sichere Apps

Lern-Apps gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Allerdings sind nicht alle wirklich pädagogisch wertvoll oder für den Unterricht geeignet und manche vermeintlich kostenlose App entpuppt sich als „Datenkrake“ (s.a. Infos und Tipps des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg).

Sichere Apps für Selbstlernphasen und den Unterricht

Wer beim Einsatz von Apps auf der sicheren Seite sein möchte, nutzt am besten die gängigen Anwendungen der Bildungs-Verlage wie beispielsweise die gängigen Grundschul-Apps ANTON und Antolin für das eigenständige Lernen sowie bereits von Lehrkräften geprüfte Apps. Einen Überblick liefert zum Beispiel die Seite der von der EU-Kommission beauftragten Klicksafe-Initiative. Im Bereich für Pädagog*innen finden Sie in den Kategorien Musik & Kunst, Natur & Technik sowie Sprache & Kultur Apps für nahezu jedes Fach.

Eine spannende und kostenfreie App für den Geschichtsunterricht bietet der Westdeutsche Rundfunk: Die Augmented Reality App WDR AR 1933-1945 bringt Zeitzeuginnen des Zweiten Weltkriegs in das Klassenzimmer. Weitere Apps für die historische Bildung empfiehlt der WDR hier: www.wdr.de/schule/digital/unterrichtsmaterial/geschichte .

Apps für Quiz, Umfrage & Test

Immer wieder beliebt als Auflockerung im Unterricht sind Quiz-Apps und Umfrage-Tools wie Kahoot oder Menitmeter. In der Regel erstellt die Lehrkraft beispielsweise das Quiz oder die Umfrage und die Schülerinnen und Schüler erhalten über einen Link Zugriff und beantworten die Fragen direkt an ihren Endgeräten. Andersherum können aber auch Schüler*innen ganz einfach die Fragen erstellen und beispielsweise Umfrageergebnisse in eigene Präsentationen oder kleine Forschungsprojekte einbauen. Aber auch für die Schülermitbestimmung in der Schule lassen sich solche Tools sowohl im Präsenzunterricht als auch auf Distanz einfach einsetzen.

Schulen, die Office 365 für Bildungseinrichtungen nutzen, können darüber hinaus die Microsoft Anwendung Forms für Umfragen, Tests oder auch Eltern-Feedback verwenden. Anleitungen finden Sie im Internet zum Beispiel auf Youtube (z.B. dieses: https://youtu.be/JI8cL7f2O1w)

3. Learning by doing: Lassen Sie die Schüler*innen ausprobieren!

Untericht_Learning by Doing

Digitale Medien eröffnen vielfältige Möglichkeiten, eigene digitale Produkte zu erstellen. Bereits im Vorschulalter sind Kinder in der Lage, mit einer Digitalkamera oder dem Tablet kurze Filme zu drehen oder ein kleines Hörspiel zu produzieren. Beliebt sind in jeder Altersklasse auch Stop-Motion-Filme, die mit Hilfe einer App (Infos bietet z.B. der medienkompass.de) gedreht werden.

Weitere Ideen für Projekte und Dokumentation:

  • Ein digitales Plakat gestalten: Über eine Lernplattform wie myViewBoard Classroom, der Software für das virtuelle Klassenzimmer von ViewSonic, können Schüler*innen sowohl im Klassenraum als auch von zuhause aus über die Distanz hinweg gemeinsam an einem Dokument arbeiten.
  • Eine digitale Pinnwand erstellen: Mithilfe von Apps wie Padlet oder Trello lassen sich einfach und kollaborativ Pinnwände zu bestimmten Themen erstellen.
  • Musik aufnehmen; Kunstwerke und Comics in einer Online-Galerie ausstellen
  • Für ältere Schüler: eine eigene Homepage, einen Blog, eine digitale Zeitung oder einen Podcast konzipieren und umsetzen
  • Eigene Erklärvideos drehen und den Mitschüler*innen digital zur Verfügung stellen
  • Erlerntes in einer PowerPoint Präsentation oder einer anderen Anwendung vorstellen (Infos zu nützlichen Tools für die Präsentation finden Sie zum Beispiel auf der Seite von „Jugend forscht“)

Die digitalen Produkte können an einem gemeinsamen Speicherort abgelegt oder z.B. via E-Mail oder Chat geteilt werden. Eine andere Möglichkeit: Die Ergebnisse in einer eigenen digitalen Wissensbibliothek beziehungsweise einer sogenannten Wiki langfristig sichern.

4. Trauen Sie sich! Warum das Lehrer-Erklärvideo lohnt

Unterricht_Erklärvideo

Wie bereits erwähnt sind von Schülern selbstgedrehte Erklärvideos eine gute Möglichkeit, Wissen zu dokumentieren, zu teilen und gleichzeitig den Umgang mit digitalen Tools zu erlernen. In der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen spielen Video-Clips eine große Rolle. Auch Lehrkräfte setzen für Selbstlernphasen oder die Stoffwiederholung sowie auch im Distanzunterricht zunehmend auf Erklärvideos bekannter Youtuber wie zum Beispiel dem Mathe-Erklärer Daniel Jung.

Sicherlich macht es Sinn, dieses vorhandene und professionell gestaltete Material zu nutzen und weiterzuempfehlen. Es gibt allerdings einen guten Grund, weshalb es in bestimmten Situationen die Mühe wert ist, ein eigenes Erklärvideo zu produzieren: Laut einer Studie des Hector-Instituts der Universität Tübingen und des Leibniz-Instituts für Wissensmedien sind im Distanzunterricht solche Methoden entscheidend, die den persönlichen Kontakt aufrechterhalten und somit die Beziehung pflegen. Videos, die die Lehrkräfte selbst gedreht hatten, wurden – neben Videomeetings – als besonders gut bewertet. Dabei müssen die Videos keineswegs perfekt gestaltet sein. Es geht vielmehr darum, den Schüler*innen zu zeigen, dass sie sich auf die Lehrperson verlassen können und diese sich Mühe gibt.