Digitale Tafelbilder leicht gemacht: Grundlagen für den Einsatz von Bildern im Unterricht

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – und bietet jede Menge Gesprächsstoff. Perfekt für den Unterricht: Bilder veranschaulichen Sachverhalte, regen Diskussionen an, wecken Aufmerksamkeit und lösen Emotionen aus. Mit der digitalen Tafel lassen sich Bilder noch leichter ins Klassenzimmer holen, gemeinsam gestalten und „mit nach Hause nehmen“. Wie sich Bilder im Unterricht einsetzen lassen und worauf es beim „Futter für die Augen“ ankommt, ist Thema dieses Blogbeitrags.

Bilder im Unterricht – wozu?

Bilder sprechen eine eigene Sprache, die intuitiv aufgenommen und nach einer räumlichen Logik effizient verarbeitet wird – anders als geschriebene und gesprochene Sprache, deren Verarbeitung logisch-analytischen Regeln folgt. Daher schaffen bildhafte Darstellungen einen zweiten, tiefer gehenden Zugang zu neuen Inhalten und beschleunigen den Prozess des Verstehens.

Illustrationen machen das Lernen leichter und attraktiver. Je nach Motiv lenken sie die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte. Sie aktivieren die Vorstellungskraft und regen die Fantasie an. Bilder in Büchern oder auf dem interaktiven Display helfen, Gelesenes einzuordnen und Strukturen zu erfassen. Schlüsselinformationen lassen sich mithilfe von Bildern schneller verinnerlichen.

Was sehe ich? Was sehen andere? Ein zum Beispiel auf die interaktive Tafel geholtes Bild weckt die Neugierde und kann auch leistungsschwächere Schüler:innen dazu anregen, sich zu Wort zu melden und Empfindungen auszudrücken.

Mit dem ViewBoard des EdTech-Herstellers ViewSonic und der dazugehörigen Software können Lehrkräfte nicht nur leichter die Vorteile der Bildkommunikation nutzen, mit einem Klick auf die sogenannte „Magic Box“ lässt sich auch die werbefreie Bildersuche starten und aus der Fülle an Möglichkeiten das passende Motiv für die jeweilige Unterrichtssituation auswählen.

Kein Bild wie das andere: Welche Arten und Funktionen von Bildern gibt es?

Künstlerische Bilder bieten in erster Linie Raum für Ästhetik und Interpretation. Unterhaltende Bilder erregen Aufmerksamkeit, erzeugen Emotionen und sorgen für (eine bestimmte) Stimmung.

Informierende Bilder hingegen dienen dem Wissenserwerb oder optimieren aus Texten gewonnene Informationen. Dazu zählen Fotos, Zeichnungen, aber auch darstellende Gemälde und Filmdokumentationen. Sie schaffen ein Abbild, eine Simulation des realen Geschehens.

Eine weitere Unterform der informierenden Bilder sind logisch-analytische Bilder, wie zum Beispiel Diagramme und schematische Darstellungen. Auch Mindmaps und Formeln gehören in diese Kategorie. Logisch-analytische Bilder visualisieren abstrakte Strukturen, Wirkmechanismen, Mengen und Relationen oder zeitliche Abläufe.

Darstellung eines Graphen am ViewBoard im Unterricht | digitale Tafelbilder

Darstellung eines Graphen am ViewBoard im Unterricht

Eine besondere Bedeutung in der Schule hat jedoch ein Bild, dessen Gestaltung eine zentrale Unterrichtsmethode darstellt: das Tafelbild. Im Idealfall gibt es einen Überblick über den Lerninhalt der Stunde und unterstützt den Prozess des Lernens. Tafelbilder sichern häufig auch die in der Unterrichtsstunde erarbeiteten Ergebnisse, sodass sie später leicht nachzuvollziehen sind. Seltener erfüllen Tafelbilder dagegen den Zweck der Unterhaltung oder des Schaffens von Kunst, sondern fallen zumeist in die Kategorie der informierenden Bilder – wobei ein gutes Tafelbild durchaus eine pädagogische Kunst ist, die für Lernende einen hohen Wert hat.

Worin besteht die Kunst des Tafelbildes?

Lerninhalte übersichtlich visualisieren und auf das Wesentliche reduzieren, das sind die wichtigsten Eigenschaften eines guten Tafelbildes. Es werden drei Varianten unterschieden: Erstens: das statische bzw. Induktionstafelbild: Dieses Bild erarbeiten Lehrkräfte bereits vor der Unterrichtsstunde, zum Beispiel mit dem ViewBoard bequem von zu Hause aus. Die Tafelsoftware myViewBoard bietet jede Menge sogenannter „Originals“-Vorlagen.

ViewSonic Originals Vorlage - Zahlen (1 bis 10) lernen in deutsch | digitale Tafelbilder

ViewSonic Originals Vorlage – Zahlen (1 bis 10) lernen in deutsch

Lehrkräfte haben über ein Passwort von jedem Ort aus Zugang zu myViewBoard und können die Software komfortabel für die Unterrichtsvorbereitung nutzen, also bereits das gewünschte Material auswählen und ganze Tafelbilder erstellen. Auch zahlreiche Tafelhintergründe stehen zur Verfügung. Im Unterricht wird dann nur das Lehrerendgerät oder ein anderes Trägermedium wie ein USB-Stick mit der Tafel verbunden, und der Unterricht kann mit dem vorbereiteten Tafelbild auch ohne Internet starten. So gelingt etwa der Einstieg in ein neues Thema oder der Start einer Diskussionsrunde.

Die zweite Form ist das dynamische Tafelbild: Es ist ein Ergebnistafelbild; das im Laufe der Stunde entsteht und die wichtigsten Arbeitsergebnisse kurz und prägnant festhält. Auch bei dieser Art der Tafelbildgestaltung hat die Lehrkraft bereits vor der Stunde eine Vorstellung von der Grobstruktur des Bildes, fügt aber Punkt für Punkt die im Unterricht erarbeiteten Elemente ein oder überträgt Schüler:innen diese Aufgabe – bis ein vollständiger Überblick über die Inhalte der Unterrichtsstunde steht. Wertvolle Informationen und Erkenntnisse bleiben auch nach der Stunde erhalten, und zwar ohne sie von Hand abschreiben zu müssen. Dazu kann die Lehrkraft ganz einfach mit der Companion App für das ViewBoard einen QR-Code mit dem eigenen Smartphone generieren und an die Tafel schicken, den die Schüler:innen mit ihren Tablets oder Smartphones abfotografieren. Auf diese Weise holen sie sich einfach das Bild zum späteren Nachlesen auf ihr Endgerät. Für daheimgebliebene Schüler:innen ist das auf der Lernplattform hinterlegte Tafelbild eine gute Ergänzung zu anderen Unterrichtsmaterialien.

Den größten Gestaltungsspielraum bietet die schließlich die dritte Variante, das interaktive Tafelbild. Dieses Arbeitstafelbild entsteht von der ersten Idee an gemeinsam mit den Schüler:innen. Hier finden Notizen, Stichworte oder gesammelte Ideen Platz. Mit der digitalen Tafel lässt sich das Brainstorming schnell strukturieren, zum Beispiel mit Online-Mindmapping. Maps in beliebiger Größe gestalten, Punkte hinzufügen, löschen oder verschieben und schließlich speichern und exportieren – mit den vielfach in der Basisversion kostenlosen digitalen Mindmap-Tools funktioniert das deutlich flexibler, als sie an der Tafel niederzuschreiben. Eine auf das Bildungssystem zugeschnittene Software ist zum Beispiel Mindomo, aber auch Open-Source-Tools wie Freeplane, eine Weiterentwicklung der bekannten Software FreeMind stellen zahlreiche praktische Werkzeuge fürs Mindmapping bereit. Der Fantasie sind beim Sammeln von Ideen keine Grenzen gesetzt: So haften auf der Oberfläche der digitalen Tafel Magnete mit Notizzetteln oder Fotos. Ebenso lassen sich Online-Grafiken und -Bilder einfügen oder handschriftliche Notizen hinzufügen.

Innerhalb einer Unterrichtsstunde können alle Varianten des Tafelbildes zum Einsatz kommen und den Verlauf der Stunde visualisieren. Den Anfang macht das vorbereitete Induktionstafelbild; im Lauf der Diskussion entsteht das Arbeitstafelbild auf einem Seitenflügel der digitalen Tafel oder auf einer Unterseite im myViewBoard-Programm, und parallel dazu wächst Stück für Stück das dynamische Tafelbild mit den festgehaltenen Ergebnissen im Zentrum der Tafel. Mit einem Fingerwisch lässt sich am ViewBoard zwischen den verschiedenen Tafelbildseiten digital blättern.

Plakative Vielfalt: Wie lassen sich Bilder einsetzen?

Die Möglichkeiten, mit Bildern zu arbeiten, sind so vielseitig wie Bilder selbst: Ob zum Einstieg in den Unterricht, um Diskussion anzuregen, Wissen zu vertiefen oder ein Thema abzuschließen – Bilder können in jeder Unterrichtsphase und in jedem Fach eingesetzt werden.

Schreiben und korrigieren von Texten Im Unterricht | digitale Tafelbilder

Digitales Tafelbild zum schreiben und korrigieren von Texten Im Unterricht

Studierende der Universität Oldenburg zum Beispiel haben den Einsatz von Bildern im Religionsunterricht in der Primarstufe erprobt. Ihre Unterrichtsfrage lautete: Was spiegelt sich in den Gesichtern der Apostel nach der Kreuzigung Jesu wider? Die angehenden Lehrkräfte ließen Grundschüler:innen Bildnisse erkunden und dargestellte Gesichter nachzeichnen. Auch die Farbgebung bildlicher Darstellungen bot Diskussionsstoff und ermöglichte den Kindern einen emotionalen Zugang zur biblischen Geschichte. Mithilfe des ViewBoards ließ sich das Spiel mit Farben und Stimmungen vertiefen. Schnell sind unterschiedlichste Farben des zum ViewBoard gehörenden Zeichenstifts ausgewählt, ausprobiert und auch wieder geändert.

Bilder beschreiben und bewerten: Die Bildschirmlupe, die beim Klick auf die Magic Box des ViewBoards erscheint, vergrößert jeden beliebigen Bereich eines Bildes und hebt auch feinste Linien und Schattierungen hervor; einzelne Bildausschnitte lassen sich bequem heranzoomen und untersuchen – perfekt für die Analyse der Bildkomposition oder einfach, um einen Bildausschnitt oder bestimmte Elemente in den Fokus zu stellen. Auf diese Weise können auch Bilder miteinander verglichen werden. Auch eine Pro- und Contra-Debatte lässt sich zum Beispiel über unterschiedliche Bilder zu einem Thema führen: Was gefällt mir an dem Bild, was nicht? Was sind die Gründe dafür?

Spielerisches Erraten von Bildern: Licht aus – Spot an! Auf dunklerem Hintergrund werden nach und nach mit dem Spot einzelne Elemente eines Bildes ausgeleuchtet, bis die Bildmotive – oder bei einem bekannten Bild der Titel des Bildes – erraten sind. Wessen Markenzeichen ist die auf einem Bild erkennbare Pinselführung? Auch das kann Gegenstand eines Ratespiels sein.

Ein Bild als Inspirationsquelle: Schüler:innen können auf einem Foto abgebildete Szenen nachstellen und Gegenstände aus derselben Perspektive aufnehmen. Von ihrem Endgerät schicken sie im Anschluss ihr Bild einfach an die Tafel und präsentieren es der Klasse. Eine stabile Internetleitung ist nur im Moment des Sendens und Empfangens von Dokumenten erforderlich. Das Markieren oder Bearbeiten des angezeigten Werkes funktioniert auch offline.

Schreibmediation zum Beginn einer Unterrichtsreihe oder in der Vertiefungsphase: In Gruppen betrachten Schüler:innen eine Zeichnung, ein Foto oder eine Karikatur und notieren ihren Eindruck reihum auf einem Blatt Papier. Haben alle Gruppenmitglieder ihre Gedanken auf dem Papier hinterlassen, wird es mit dem Smartphone oder dem Tablet abfotografiert und an das ViewBoard weitergeleitet.

Bilder als Sprechanlässe nutzen: Schüler:innen wählen selbst Bilder zu einem bestimmten Thema im Internet oder aus anderen Quellen aus, die einen Sachverhalt besonders aussagekräftig wiedergeben. So können sie auch ganze Bildervorträge erstellen, an die digitale Tafel schicken und der Klasse vorstellen.

Was will uns ein Bild sagen? Schüler:innen schlüpfen in die Rolle der interviewten Künstlerin oder des Künstlers und antworten auf die Fragen ihrer Mitschüler:innen.

Dies sind nur einige von vielen Ideen, wie Bilder den Unterricht bereichern können. Denkbar sind auch virtuelle Rundgänge in Museen oder auch über das digitale Display geführte Interviews mit Fotograf:innen, Zeichner:innen oder Maler:innen der Gegenwart.

Das Recht am Bild: Was ist erlaubt?

Auch wenn Bilder im Internet nicht speziell gekennzeichnet sind, gilt für sie das Urheberrecht. Deshalb sollte bei jedem gefundenen Medium geprüft werden, unter welchen Bedingungen es verwendet werden darf. Informationen zum Urheberrecht finden Sie unter anderem auf den Seiten der Kultusministerien der Länder sowie in einer Broschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Fazit: Eine digitale Tafel wie das ViewBoard macht den Einsatz von Bildern im Unterricht leichter, sowohl von Bildern aus dem Internet als auch von selbst erstellten Tafelbildern. Ein Plus ist die Ergebnissicherung des erarbeiteten Unterrichtsstoffs zum Nachlesen für zu Hause. Lehrkräfte können ebenso zu Hause Bilder recherchieren oder Tafelbilder vorbereiten und an das Display schicken. Die Funktionen verschiedener Apps lassen sich mit wenigen Klicks einbinden und mit der Software des Boards kombinieren.

Interessieren Sie sich für das Thema Visualisieren im Unterricht? Dann ist vielleicht auch unser Blogbeitrag zum Thema Erklärvideos interessant.

Digitale Tafeln im Praxistest: Was bringen ViewBoards im Klassenzimmer?

Welche Vorteile hat die digitale Tafel im Unterricht? Wie lässt sie sich in den verschiedenen Fächern am besten einsetzen? Das haben Studierende der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg anhand des ViewBoards von ViewSonic untersucht. Das Wichtigste vorab: Interaktiv sollte die Arbeit mit dem digitalen Board im Fachunterricht gestaltet werden. Außerdem forderten die angehenden Lehrkräfte schon im Studium mehr Zeit und Möglichkeiten, um sich mit Hard- und Software für den Unterricht auseinanderzusetzen und die Anwendung zu üben.

Was wurde untersucht?

Die Forschungslage zum Thema digitale Tafel ist spärlich, befindet Ines Oldenburg, Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Didaktik des Sachunterrichts an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Grund genug, um mit Studierenden des Masterstudiengangs im Lehramt wissenschaftliches Neuland zu betreten und digitale Displays einem Praxistest zu unterziehen. So brachten zwei Forschungsseminare im Modul „Medienbildung und Digitalisierung“ ein Semester lang den EdTech-Experten ViewSonic, Hersteller sogenannter ViewBoards, und Anwender:innen zusammen. Dabei ging es um viel mehr als Testläufe neuester Technik: Die Ergebnisse der detaillierten Analysen werden in die weitere Entwicklung von Board und Software einfließen.

Schulung der angehenden Lehrer*innen an der Universität Oldenburg zur digitalen Tafel

Schulung der angehenden Lehrer*innen an der Universität Oldenburg zur digitalen Tafel

Insgesamt 14 Evaluationen haben die 50 angehenden Lehrerinnen und Lehrer im Rahmen des Projekts erstellt. Unter dem Seminartitel „Evaluation von inklusiven Lernsettings mit digitalen Medien“ testeten verschiedene Einsatzmöglichkeiten der interaktiven Tafel und der dazugehörigen Software. Dabei orientierten sie sich an ihren Fachrichtungen.

Dazu hatte ViewSonic dem Institut ein halbes Jahr lang kostenlos drei mobile ViewBoards zur Verfügung gestellt. Das ViewSonic-Trainer-Team war von Beginn an dabei. Es leistete nicht nur technischen Support, sondern wies die Studierenden zu Semesterbeginn in den Umgang mit den Boards ein und half bei Fragen weiter. Und davon ergaben sich im Laufe der Forschungsarbeiten viele. Warum eigentlich, wo doch PC, Tablet und Smartphone in nahezu hundert Prozent der Haushalte vorhanden sind? Ein interaktives Display ist eben kein PC mit übergroßem Bildschirm oder eine Kreidetafel 2.0. Es ist ein komplexes Multifunktionsgerät, das viele Funktionen aus der Präsentationstechnik vereint. Es kann flexibel mit Laptop, PC oder Smartphone genutzt werden. Das Besondere:  Das Board wurde für den interaktiven Unterricht konzipiert und soll mehr können als Beamer, Overheadprojektor und Tablet.

Spielerisches Lernen – macht auch für Lehrkräfte Sinn

Mit Schüler:innen zu interagieren und neue Unterrichtsmethoden zu erproben, braucht Wissen und Übung, auch in Sachen digitaler Technik. So lassen sich die Potenziale des Boards ausschöpfen und auch jene Funktionen anwenden, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich interaktive Tafeln nicht von einem Handy oder dem PC, die ebenfalls in ihrer vollen Bandbreite erst dann zugänglich sind, wenn man sich mit der Software beschäftigt hat. Wer mit digitaler Technik aufwächst, tastet sich meist spielerisch an sie heran, bis sie sicher beherrscht wird und man mit ihr vertraut ist – so sehr, dass sich der Weg in die Routine, im Nachhinein betrachtet, fast wie von allein geebnet hat. Momente des Scheiterns gehören einfach dazu. Genauso wie Neugierde und die Lust am Experimentieren – eine Erkenntnis, die sich auch im Laufe der Forschungsseminare herauskristallisierte, wie Ines Oldenburg bestätigt: „Für uns Nicht-Informatikerinnen und Nicht-Informatiker ist diese Freude am Ausprobieren gar nicht selbstverständlich. Man hat ja immer Angst, man macht was kaputt oder bringt das System zum Absturz. Und hier haben wir jetzt gelernt: Ausprobieren macht Spaß!“

Warum man sofort loslegen kann – und trotzdem mehr Zeit braucht

Dass es Zeit braucht, bis wirklich alle Funktionen des ViewBoards beherrscht werden, ist auch den Technikaffinen unter den Studierenden schnell bewusst geworden. Zwar kann man als ungeschulte Lehrkraft nach etwa 45 Minuten Einweisungszeit die grundlegenden Bedienungsschritte umsetzen. Doch um einen guten digital gestützten Unterricht zu leisten, braucht es mehr Support. Und das am besten schon während der Lehramtsausbildung.

Schüler:innen mit unterschiedlichen Medien und elementaren technischen Anwendungen vertraut machen sowie deren verantwortungsvollen Einsatz, das ist Aufgabe der Schulen und im Kerncurriculum verankert – auch und gerade in einer Welt, aus der Smartphone, Tablet und Co. nicht mehr wegzudenken sind. Dafür braucht es jedoch Kompetenzen aufseiten der Lehrkräfte, zum Beispiel im Umgang mit der digitalen Tafel, wie Pia Schubert, die Sport und Politik auf Gymnasiallehramt studiert, bestätigt: „Ich muss schon im Vorfeld in der Lage sein, das Board zu bedienen, um auch meine Unterrichtsziele erreichen zu können. Und deswegen finde ich es wichtig, dass sich Lehrkräfte mit dem Thema beschäftigen, damit sie dann auch wirklich das erreichen können, was gefordert wird, und auch Anforderungen erfüllen können, die im Kerncurriculum stehen.“

Was ist der Unterschied zwischen interaktiver Tafel und Beamer?

Wird das Potenzial der digitalen Tafel genutzt, kann sie weit mehr sein als eines von vielen Medien, mit denen sich Lerninhalte vermitteln lassen. Sie bietet den „Mehrwert der Interaktivität“, so ein Fazit von Ines Oldenburg aus der Forschungsarbeit. Um „Ergebnisse an die Wand zu werfen“, würden auch Laptop und Beamer ausreichen. Mit dem Board könnten sich Schüler:innen in den interaktiven Prozess einbringen. So stünden Lernenden nicht nur verschiedene Lernwege zur Verfügung. Das Einbinden von Filmen, Audiodateien oder Texten ermögliche Schüler:innen und Schülern auch, mit der Lehrkraft an der Tafel zu interagieren, hob die Professorin das gemeinschaftliche Potenzial der Arbeit an dem Board hervor: „Denn gelingendes Lernen geschieht immer miteinander, in der Kooperation.“

Miteinander ins Gespräch kommen, Themen diskutieren und gemeinsam Projekte erarbeiten – in den beiden Forschungsseminaren lernten die Studierenden, ihre Unterrichtsideen mit der digitalen Tafel umzusetzen oder auch klassische Lernmethoden, um digitale Anwendungen zu erweitern. Das Ziel: die Schüler:innen aus der Konsumentenrolle in einen möglichst selbst gestalteten, aktiven Lernprozess führen. „Für mich persönlich habe ich gelernt, dass Unterricht viel interaktiver sein kann, als man denkt“, resümierte Tabea Girke, die Biologie und Physik für die Sekundarstufe II studiert: „Ich habe schon oft mit Beamern im Unterricht gearbeitet, aber damit wirft man Präsentationen im Unterricht nur an, gestaltet ihn aber nicht interaktiv. Und jetzt haben wir viele Möglichkeiten ausgeschöpft und neu entdeckt, wie wir mit den Schüler:innen zusammen den Unterricht gestalten können.“

Ist die digitale Tafel mehr als nur ein smarter Ersatz für Tablet, Beamer und Kreidetafel?

In kleinen Teams hatten sich die Student:innen den Forschungsfragen gestellt, speziell für ihre Schulform und für ihre Schulfächer – von Deutsch über Naturwissenschaften bis hin zu Religion und Sport, anschließend wurden die Geräte und integrierten Tools praktisch getestet. Dabei entwarfen die Studierenden neue Unterrichtsformate – immer auf der Suche nach Antworten auf eine grundlegende Frage: Ist die digitale Tafel mehr als nur ein smarter Ersatz für Tablet, Beamer und Kreidetafel?

Angehende Lehrerin bei der Präsentation der Ergebnisse an der digitalen Tafel

Angehende Lehrerin bei der Präsentation der Ergebnisse an der digitalen Tafel

Inklusiver Unterricht / Sonderpädagogik

Natascha-Rebecca Harms, Sandra Timm und Nicole Winter erprobten beispielsweise den Sachunterricht mit inklusiv beschulten Schüler:innen. Mithilfe des digitalen Displays sollten sich die 8- bis 13-jährigen Wissen über den Körperbau einer Milchkuh selbstständig erarbeiten. Im Zentrum der Forschungsarbeit standen die Möglichkeit interaktiver Lernerfahrungen, das Erstellen lern wirksamer Tafelbilder und das Testen der Interaktionsfähigkeit von Display und den Tablets der Schüler:innen. So lösten Grundschüler:innen im „Studienunterricht“ auch ein Quiz direkt am Board. Das Fazit: Die Aufgabe machte den Kindern nicht nur Spaß, sie konnten nach konzentrierter Arbeit an der digitalen Tafel und ihren Endgeräten schließlich alle Körperteile der Milchkuh benennen und richtig zuordnen.

Je mehr Sinne angesprochen werden, desto besser kann der Unterricht in Inklusionsklassen gelingen, war sich eine Studierendengruppe aus dem Fachbereich Sonderpädagogik einig. Digitale Tafeln würden bisher in der Sonderpädagogik nicht viel genutzt, vielmehr stünden haptische Materialien im Vordergrund, schon allein, um die oft kaum über fünf Minuten reichende Aufmerksamkeit der Schüler:innen zu halten.  Anhand der Lernapps „Anton“ und „Quizmaker“ wurde jedoch deutlich, dass auch Inklusionsschüler:innen mit der digitalen Tafel die Chance erhalten, über die private Handynutzung hinaus Medienkompetenzen zu erwerben. So sei das Zeichnen von Zahlen und Schriftzeichen mit dem Stift des ViewBoards oder mit dem Finger ein erstes Erfahren von neuem Wissen. Mehr zum Thema Inklusion erfahren Sie hier.

Mathe und Physik

Den fachspezifischen Einsatz des ViewBoard in verschiedenen Schulformen erprobten Tabea Girke, Fiona Höglsperger, Aaron Scheltwort, Emanuel Schwarz und Melina Steinberg-Kaup. Das Forschungsteam analysierte, ob die Software des Geräts flexibel genug ist für die Erfordernisse im Matheunterricht – und was Lineal, Geodreieck und Co. sowie Tabellen- und Diagramm-Tools leisten. Als Beispiel für den naturwissenschaftlichen Unterricht stellte das Team dar, wie sich Reihen- und Parallelschaltung anschaulich am ViewBoard darstellen lässt, und brachte Ideen für mehr Interaktivität und leichteres Bedienen des Boards ein. Das ViewSonic-Team hörte interessiert zu und füllte die To-do-Liste für die Kolleg:innen in der Entwicklungsabteilung mit Ideen und Wünschen künftiger Anwender:innen. Ein Hinweis vom Trainer: Über den im Board integrierten Browser lassen sich Programme für den Geometrieunterricht nutzen. Diese bieten viele zusätzliche, leicht bedienbare Werkzeuge. Hier mehr Tipps dazu.

Fremdsprachen

Anna Sophie Böseler, Gesa Bossen, Jenny Hinrichs, Katrin Hanekamp und Luise Kleimann hatten die fächer- und jahrgangsspezifische Anpassungsfähigkeit der digitalen Tafel unter die Lupe genommen und erprobt, ob sich neue Vokabeln lern wirksam mit dem Board einführen lassen. Die Antwort war ein klares Ja. So machten die per digitaler Tafel angezeigten Vokabelkarten nicht nur die gedruckten Varianten entbehrlich. Das einfache Verschieben von Elementen eröffnete viele didaktische Möglichkeiten wie die Text-Bild-Zuordnung, das Training der Schreibweisen und auch spontanes Hinzufügen weiterer Vokabeln. Lesen Sie hier mehr über die digitale Tafel im Fremdsprachenunterricht.

Deutschunterricht

Wie gelingt an der interaktiven Tafel die Umstellprobe im Deutschunterricht? Das probierte eine weitere Gruppe Studierender aus. Statt Sätze in verschiedenen Varianten an die Tafel zu schreiben oder auf die Filztafel zu bannen, schoben sie virtuelle Satzgliedkarten mit einem Fingerwisch hin- und her. Allerdings begannen die Sätze nach der Umstellung der Karten nicht automatisch mit einem Großbuchstaben – das anfängliche Manko wandelte sich im Laufe der Diskussion in eine Aufgabe zum Selbstdenken für die Schülerinnen und Schüler, die nötige Korrekturen dann an der Tafel selbst vornehmen können.

Textiles Gestalten und mehr

Ein noch ungewöhnliches Einsatzfeld für das interaktive Display ist der Unterricht im textilen Gestalten. Eine Gruppe erprobte, wie sich in der Sekundarstufe I. mit digitalen Tafelbildern Schnittmuster erarbeiten, virtuell Farben mischen und Handlungsschritte visualisieren lassen.

Auch der Einsatz von Bildern und Apps im Sport und im Religionsunterricht sowie das Sichern von im Unterricht erarbeiteten Ergebnissen und das Übertragen klassischer Unterrichtsentwürfe auf die Arbeit mit dem ViewBoard wurde in Forschungsgruppen evaluiert.

Was ist das Ergebnis der Untersuchung?

Das Team von ViewSonic zeigte sich beeindruckt von den detaillierten Analysen. „Wir haben auf jeden Fall unsere Hausaufgaben notiert und werden sicherlich einige der guten Ideen aus diesem Seminar umsetzen”, sagte Phillip Meier. Wie tief er in der Materie steckt, zeigte der Trainer während der Seminartage: Schnell half er bei Problemen, beantwortete Fragen und gab Auskunft über neue Entwicklungen wie die digitalen 85-Zoll-Displays mit magnetischer Oberfläche zum Anbringen von Arbeitsblättern oder Notizen. Auch das Beschreiben mit Whiteboardstiften sei je nach Modell möglich. Ebenso können Tafeln an der Wand montiert und um Seitenflügel ergänzt werden – insofern werden die Displays in vielerlei Hinsicht den im Forschungsseminar geäußerten Anforderungen gerecht.

Aber zuweilen staunte auch der Trainer, in welche „Winkel“ der Software die Studierendenteams vorgedrungen waren. „Es war wunderbar zu sehen, wie kreativ die Studierenden mit den Features umgegangen sind, die das ViewBoard bereits bietet. Die Ergebnisse können wir auch anderen Lehrkräften als Tipps mit an die Hand geben.“

„Das ViewBoard ist eine vielversprechende Möglichkeit, den Unterricht lern wirksamer zu gestalten“, so ein Ergebnis der Evaluationen. Weiter bescheinigten die Studierenden dem Board, dass es die kognitiven Fähigkeiten und die Medienkompetenz fördere, aber auch das Entwickeln von Problemlösestrategien. Zu ihren Wünschen und Ideen zählten Pop-up-Fenster mit Erläuterungen zu Funktionen des Boards, das leichtere wiederholte Abspielen der Audiospur sowie weitere intuitive Bedienelemente.

Ines Oldenburg, Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Didaktik des Sachunterrichts an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Ines Oldenburg, Professorin für Erziehungswissenschaften mit dem Schwerpunkt Didaktik des Sachunterrichts an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

„Wir haben festgestellt, dass sich viel zu wenig Forschungen mit dem Einsatz von interaktiven, digitalen Tafeln im Kontext Schule beschäftigen“, beschreibt Ines Oldenburg den derzeitigen wissenschaftlichen Stand. Die Professorin will weitere Forschungsprojekte dazu zu erarbeiten und fühlt sich in der Entscheidung bestärkt, dieses Lehrformat weiterzuführen. Das bedeutet: „Kooperationen mit Firmen zu suchen, im Rahmen von User-Experience aktuelle digitale Tools mit Studierenden zu erproben und Studierenden im Bereich der Lehrerbildung weiterhin forschendes Lernen zu ermöglichen.“

Das Entwickeln von anwendergerechten Produkten ist keine Einbahnstraße, es lebt vom Feedback der Nutzer:innen. „Wir sind die User, und wir müssen ja im Grunde genommen den Firmen spiegeln, was wir brauchen“, betont Ines Oldenburg. „Dann können wir auch gute Produkte erwarten. Und diese Zusammenarbeit war auch für Studierenden ein tolles Erlebnis. Für mich übrigens auch!“

Weitere Infos zum Einsatz interaktiver Tafeln im Klassenzimmer finden Sie hier. In unserem EdTech-Blog.